Über die Arbeitsstelle

Gang mit vollen Bücherregalen an den Wänden Christa Wolf Raum (Foto: CWG, B. Dahlke)

Die Arbeits- und Forschungsstelle Privatbibliothek Christa und Gerhard Wolf wurde am 1. April 2016 am Institut für deutsche Literatur gegründet. Die Familie Wolf hatte sich entschieden, der Humboldt-Universität ihre wertvolle und auf mehr als 330 Büchermeter angewachsene Privatbibliothek zu schenken. Mit der Annahme der großzügigen Schenkung verpflichtet sich die Universität, das Werk der Schriftstellerin Christa Wolf und des Verlegers, Herausgebers und Essayisten Gerhard Wolf lebendig zu halten und die Auseinandersetzung mit ihren Texten und ihrem öffentlichen Wirken weiterzuführen. Die Arbeitsstelle initiiert seither Forschung, bündelt Lehrangebote und kooperiert mit der Christa Wolf Gesellschaft. 

Wie im Falle der am Institut ebenfalls verankerten Privatbibliothek Heiner Müllers (H.M.-Archiv/Transitraum)  handelt es sich bei der Arbeitsbibliothek der Wolfs um eine autobiographisch und zeithistorisch bedeutende Sammlung. Mit ihr wird nicht nur ein Zeitdokument intellektueller Biographien öffentlich zugänglich, sondern auch das Erbe zweier Philolog_innen mit Bezug zur Stadt Berlin und zur Humboldt-Universität. 

Ziel der Arbeitsstelle ist es, die stetige Auseinandersetzung mit Christa und Gerhard Wolfs Prosa und Essayistik anzuregen und gerade jüngere Generationen auch mit deren Rolle als öffentlichen Personen der deutsch-deutschen Zeitgeschichte, als ermutigenden Mentor_innen und kanon-erweiternden Herausgeber_innen vertraut zu machen.

Nach dem Tod von Gerhard Wolf (7.2.2023) wurden auch die restlichen Bücher der Privatbibliothek aus der Wohnung am Amalienpark in Berlin Pankow an das Institut für deutsche Literatur gebracht. Dort sind die insgesamt ca. 9000 Bücher in den Original-Bücherregalen der Wolfs und unter Sicherung der ursprünglichen Aufstellungsordnung zu sehen.

Ort: Dorotheenstr. 24, 10117 Berlin, 5. Etage, Raum 3.543, 3.509 und 3.544

Öffnungszeiten: Dienstags 14-16 Uhr, oder nach Vereinbarung: wolfbib.idl@hu-berlin.de
Telefon: 030 20 93 85 083

Gerhard Wolf Raum
Gerhard Wolf Raum (Foto: CWG, B. Dahlke)
Sie finden weitere Informationen auf der Seite der HU Berlin:

Die Arbeitsstelle lädt ein

Workshops und öffentliche Veranstaltungen gehörten seit 2016 zu den Aktivitäten der Arbeitsstelle ebenso wie Vorträge und Seminare mit Bezug auf das Werk der Wolfs. Studierende erkundeten z.B. literarische Spuren Christa Wolfs in Berlin-Mitte und luden zu geführten Stadtspaziergängen ein. Sie erarbeiteten Ausstellungsexponate und rekonstruierten die Geschichte des legendären Pankower Christa Wolf-Gesprächskreises zwischen 1989 und 2004.  

Aktivitäten der studentischen AG „Christa Wolf andernorts“ (2016-2020).

Die öffentliche Veranstaltungsreihe „Die Arbeitsstelle Privatbibliothek Wolf lädt ein“ brachte bis 2025 Studierende, WissenschaftlerInnen, ZeitzeugInnen,  ArchivarInnen, SchriftstellerInnen, Verleger- und HerausgeberInnen, PsychoanalytikerInnen, MusikethnologInnen, FotografInnen und LeserInnen zusammen und war auch unter Interessierten außerhalb der Universität beliebt.
Gesprächspartner auf dem Podium waren neben Gerhard Wolf und der Tochter Annette Simon u.a. Dr. Christoph J. Ahlers, Dr. Alex Brown (GB), Dr. Katrin v. Briceno (Venezuela), Sonia Combe (F), Angela Drescher, Jan Faktor, Paula Fürstenberg, Dr. Petra Hardt, Marlene und Dr. Anselm Hartinger, Gabriele Heinz, Kerstin Hensel, Ira F. Hennerkes, Steffen Mensching, Doreen Mildner, Dr. Anne Peiter (La Réunion), Dr. Ernest Schönfeld (GB) Dr. Tanja Walenski, Prof. Dr. Chris Weedon (GB), Sabine Wolf, Gerald Zörner. Auch Studierende stellten ihre wiss. Studien vor: Katharina Hackl, Elisa von Hof, Marina Brafa, Emma Ulrich, Daria Kolesova, Alina Mohaupt, Nina Marietti.                                              

Gerhard Wolf und wir

Gerhard Wolf und die Studierenden der deutschen Literatur – das ist eine Geschichte beglückender und inspirierender Begegnungen.

Forschungsnetzwerk LIGD

Die Arbeitsstelle Privatbibliothek Christa und Gerhard Wolf versteht sich als Plattform von über das unmittelbare Werk der Wolfs hinausgehenden Forschungen zur Literatur im geteilten Deutschland. 
Dazu gründete sich im Juli 2016 das Netzwerk internationaler Nachwuchs-wissenschaftlerInnen „Literatur im geteilten Deutschland“ (LIGD). Koordiniert von Dr. Anke Jaspers (Universität Graz) fand bis 2024  jährlich ein Sommerkolloquium statt (ausser in der Corona-Zeit). Das nächste Treffen ist in Planung.

Menschen studieren gemeinsam in der Bibliothek

LIGD Workshop 2024, Arbeitsstelle Privatbibliothek Christa und Gerhard Wolf (Foto: B.Dahlke/ CWG)

Konzept des LIGD

Vorgestellt –
Studentische Projekte und Abschlussarbeiten

Seit dem Frühjahr 2016 entstanden studentische wissenschaftliche Arbeiten (Haus- und Praktikumsarbeiten, Bachelor- und Masterarbeiten) im thematischen Zusammenhang der Arbeitsstelle Privatbibliothek Christa und Gerhard Wolf. Initiiert und betreut wurden die Arbeiten von PD Dr. Birgit Dahlke.   

2026: Marie Eisenmann Masterarbeit über Bezüge
zwischen Christa Wolfs Poetik und ihrer Lektüre französischer feministischer Prosa (Präsenz west- und ostdt. Ausgaben von Duras, de
Beauvoir, Colette, Cixous usw. in der Privatbibliothek)
 
2026: Jiasheng Yang Masterarbeit zum Thema
„Störfall“-Annotationen in der Autor:innenbibliothek Christa und Gerhard Wolf
 
2025/26: Robin Beck  Masterarbeit zum Peter Weiss-Bestand in der Privatbibliothek Wolf unter Berücksichtigung von Widmungen und
Lesespuren als Format der Literaturgeschichte des geteilten Dtl.
 
2025/26: Emma Michler BA-Arbeit zu Gender und Identität in Christa Wolfs Geschlechtertauschgeschichte "Selbstversuch"
 
2024: BA-Arbeiten von Jiasheng Yang zu Störfall als „Friedensforschung" und von Alina Mohaupt über das Bücher-Netzwerk
Kassandra (1983) und Christa Wolfs Griechenland/Antike-Sammlung innerhalb der Privatbibliothek.
 
2023: Ronja Dierks BA-Arbeit über Ein Tag im Jahr als (autobiographisches) Textformat.
 
2022: Emma Ullrich Masterarbeit über 
Nachkriegkonstellationen in der frühen DDR und über Gerhard Wolfs Arbeit am
Kanon der Exilliteratur (insbesondere zu Louis Fürnberg).
 
2021: BA-Arbeiten Sergey Ovechkins zu Kindheitsmuster und Nico
Cläsgens zu Nachdenken über Christa T.
 
2020: Gesche Beyer Masterarbeit zur Bedeutung des Gartens in der Prosa Christa Wolfs.
 
2020: Sabine Swoboda Masterarbeit zu Spuren persönlicher und
poetischer Beziehungen im literarischen Werk von Christa Wolf und Anna
Seghers.
 
2020: Melina Milz BA-Arbeit zu Christa Wolfs
Erzählungen Juninachmittag und Sommerstück.
 
2019: Sophie Meiners  an der FU Berlin eingereichte
BA-Arbeit zu Christa Wolf als Leserin des Ethnopsychoanalytikers Paul Parin.
 
2019: Marina Brafa Master-Arbeit über das aus Zensurgründen
abgebrochene Spielfilmprojekt Fräulein Schmetterling.
 
2019: Daria Kolesova über  den Umgang mit dem Thema Selbstzensur im
Briefwechsel Christa Wolfs mit Efim Etkind, Raissa Kopelewa und Lew Kopelew.
 
2018: Emma Charlott Ulrich BA-Arbeit (für den Humboldt-Preis
nominiert) zur Geschichte der von Gerhard Wolf 1968
konzipierten und nie realisierten Anthologie „Exil - Deutsche Lyrik in
der Emigration" im Aufbauverlag.
 
2017: Max Böhner BA-Arbeit zu dem von 1971 bis 2011 andauernden Briefwechsel Christa Wolfs mit dem westdeutschen
Psychotherapeuten und Professor für Psychiatrie Hans Stoffels.
 
2016: Katharina Hackl und Elisa von Hof Zwei Seminararbeiten am Institut für Geschichtswissenschaften zur Geschichte des
Pankower Christa Wolf-Gesprächskreises.
 

Nach dem Erfolg der wesentlich von Studentinnen erarbeiten und erstmals 2019 präsentierten Wanderausstellung „neu Christa Wolf lesen“  erarbeitete eine Gruppe Studierender unter der Leitung von Birgit Dahlke ein Exponat für die Eröffnungsausstellung "Humboldt Labor" der HU im Berliner Humboldt Forum. Unter dem Titel "Poesie der Kritik" nimmt sie, ausgehend von Christa Wolfs Roman „Störfall“ (1987) sowie deren Frankfurter Vorlesungen zu „Kassandra“ (1983), kritisch Stellung zu patriarchalen Zügen wissenschaftlicher Forschung und Überlieferung.

Sie war von Sommer 2021 bis Sommer 2025 im Humboldt Forum zu sehen.

Im Sommersemester 2021 näherten wir uns theoretisch und praktisch einer Form an, die im letzten Jahrzehnt an Popularität gewonnen hat, dem Podcast. Im von Frau Birgit Dahlke angebotenen Seminar lauschten wir verschiedenen Formaten, ergründeten Vorlieben und Abneigungen, verglichen Jingles, Pausen und Versprecher bestehender Podcasts, versuchten Rhythmik und Schemen einzelner Sendungen zu verstehen. All dies mit der Absicht, am Ende des Semesters einen akustischen Einblick in die Arbeitsstelle Christa und Gerhard Wolf zu produzieren.

In sehr freier, sehr assoziativer Weise entstand schließlich dieser Podcast, der eigentlich eher ein Hörstück ist. Geschrieben haben es Stefan Geisler und Emma Charlott Ulrich, die zwei der drei Stimmen sprechen. Lynn Kelders spricht die dritte Stimme. Die Stimmen sind bewusst nur als „Stimmen“ bezeichnet, da sie keine Rollen im klassischen Sinne sind, sondern Assoziationsräume darstellen. Den AutorInnen war es wichtig, verschiedene Standpunkte, Denkweisen und Fakten aneinanderzureihen. Dieses Verfahren wurde auf ein zunächst theoretisch-philologisch anmutendes Thema angewendet: „Bücheraufstellungen“. Das Thema erwies sich, je weiter die Erarbeitung des Hörstücks voranschritt, als Assoziationsraum mit großen Freiheiten. Nicht allein die philologische Arbeit der Arbeitsstelle Christa und Gerhard Wolf sollte im Mittelpunkt stehen, sondern auch das haptische Erleben eines Bibliothekskorpus.

Das Ergebnis ist ab sofort hier zu hören. Es gibt einen anderen Einblick in die Arbeitsstelle Christa und Gerhard Wolf abseits der reinen Dokumentation von Arbeitsabläufen - ob der Versuch geglückt ist, haptische Erfahrungen in ein Hörstück zu übertragen, können die HörerInnen selbst entscheiden.

Audio-Player

Fundstücke aus der Privatbibliothek

Im September 2018 wurde die Privatbibliothek offiziell in die zentralen Sammlungen der HU aufgenommen. Im „Sammlungsschaufenster“ der HU in der Bibliothek des ehemaligen Tieranatomischen Theaters war seit Oktober 2019 bis Juni 2023 ein Objekt aus der Privatbibliothek Christa und Gerhard Wolf zu sehen. Es war ein Exemplar von Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ mit kurz kommentierten Lesespuren Christa Wolfs.

Arbeitsstelle Privatbibliothek im Sammlungsschaufenster der HU 

Privatbibliothek Christa und Gerhard Wolf im Sammlungsportal der Wissenschaftlichen Sammlung der HU