Über die Arbeitsstelle

Die Arbeits- und Forschungsstelle Privatbibliothek Christa und Gerhard Wolf wurde am 1. April 2016 am Institut für deutsche Literatur gegründet. Die Familie Wolf hatte sich entschieden, der Humboldt-Universität ihre wertvolle und auf mehr als 330 Büchermeter angewachsene Privatbibliothek zu schenken. Mit der Annahme der großzügigen Schenkung verpflichtet sich die Universität, das Werk der Schriftstellerin Christa Wolf und des Verlegers, Herausgebers und Essayisten Gerhard Wolf lebendig zu halten und die Auseinandersetzung mit ihren Texten und ihrem öffentlichen Wirken weiterzuführen. Die Arbeitsstelle initiiert Forschung, bündelt Lehrangebote und kooperiert mit der Christa Wolf Gesellschaft. 

Wie im Falle der am Institut ebenfalls verankerten Privatbibliothek Heiner Müllers (H.M.-Archiv/Transitraum)  handelt es sich bei der Arbeitsbibliothek der Wolfs um eine autobiographisch und zeithistorisch bedeutende Sammlung. Mit ihr wird nicht nur ein Zeitdokument intellektueller Biographien öffentlich zugänglich, sondern auch das Erbe zweier Philolog_innen mit Bezug zur Stadt Berlin und zur Humboldt-Universität. 

Ziel der Arbeitsstelle ist es, die stetige Auseinandersetzung mit Christa und Gerhard Wolfs Prosa und Essayistik anzuregen und gerade jüngere Generationen auch mit deren Rolle als öffentlichen Personen der deutsch-deutschen Zeitgeschichte, als ermutigenden Mentor_innen und kanon-erweiternden Herausgeber_innen vertraut zu machen.

Sie finden weitere Informationen auf der Seite der HU Berlin:

AG „CW Andernorts“/ Öffentliche Veranstaltungsreihe

Monatliche Workshops und öffentliche Veranstaltungen unter Einbeziehung der studentischen Arbeitsgruppe „Christa Wolf Andernorts“ gehören zu den Aktivitäten der Arbeitsstelle ebenso wie Vorträge und Seminare mit Bezug auf das Werk der Wolfs. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe lesen und diskutieren sich durch das multimediale Werk. Sie erkunden literarische Spuren Christa Wolfs in Berlin-Mitte und laden im Ergebnis zu geführten Stadtspaziergängen ein, sie erarbeiten Ausstellungsexponate oder rekonstruieren die Geschichte des legendären Pankower Christa Wolf-Gesprächskreises zwischen 1989 und 2004.

Seit Februar 2021 stellt eine Gruppe Studierender unterschiedlichste literarische und außerliterarische Quellen zusammen, um zeithistorischen Spuren der Nachbarschaft von Christa und Gerhard Wolf und Maxie und Fred Wander im grenznahen Kleinmachnow zwischen 1962 und 1976 nachzugehen. Das ist eine Arbeit für das „Museum im Aufbau“ in Kleinmachnow.

Aktivitäten der AG Andernorts.

Die öffentliche Veranstaltungsreihe „Die Arbeitsstelle Privatbibliothek Wolf lädt ein“ bringt Alt und Jung, Studierende, WissenschaftlerInnen, ZeitzeugInnen,  ArchivarInnen, SchriftstellerInnen, Verleger- und HerausgeberInnen, PsychoanalytikerIn, MusikethnologIn, FotografIn und LeserInnen zusammen und ist auch unter Interessierten außerhalb der Universität beliebt.
Gesprächspartner auf dem Podium waren neben Gerhard Wolf und der Tochter Annette Simon u.a Dr. Christoph J. Ahlers, Dr. Alex Brown (GB), Dr. Katrin v. Briceno, Angela Drescher, Dr. Petra Hardt, Ira F. Hennerkes, Dr. Anne Peiter (La Réunion), Dr. Ernest Schönfeld (GB) Dr. Tanja Walenski, Prof. Dr. Chris Weedon (GB), Sabine Wolf, Gerald Zörner

Veranstaltungen „Die Arbeitsstelle Privatbibliothek Wolf lädt ein“.
Forschungsnetzwerk LIGD

Die Arbeitsstelle Privatbibliothek Christa und Gerhard Wolf versteht sich als Plattform von über das unmittelbare Werk der Wolfs hinausgehenden Forschungen zur Literatur im geteilten Deutschland.
Dazu gründete sich im Juli 2015 das Netzwerk internationaler NachwuchswissenschaftlerInnen „Literatur im geteilten Deutschland“ (LIGD).  Koordiniert von Dr. Anke Jaspers (Universität Graz) findet seit 2015 ein jährliches Sommerkolloquium statt.

Konzept und Programm des LIGD
Vorgestellt – Studentische Projekte und Abschlussarbeiten

Initiiert und betreut von PD Dr. Birgit Dahlke entstehen seit dem Frühjahr 2016 studentische wissenschaftliche Arbeiten (Haus- und Praktikumsarbeiten, Bachelor- und Masterarbeiten) im thematischen Zusammenhang der Arbeitsstelle Privatbibliothek Christa und Gerhard Wolf.

Rekonstruktion des von 1971 bis 2011 andauernden Briefwechsel Christa Wolfs mit dem westdeutschen Psychotherapeuten und Professor für Psychiatrie Hans Stoffels (Max Böhner, BA-Arbeit);

Zur Geschichte des Pankower Christa Wolf-Gesprächskreises (Katharina Hackl und Elisa von Hof, Seminararbeiten am   Institut für Geschichtswissenschaften)

Rekonstruktion der Geschichte der von Gerhard Wolf 1968 konzipierten und nie realisierten Anthologie „Exil - Deutsche Lyrik in der Emigration" im Aufbauverlag. (Emma Charlott Ulrich, BA-Arbeit, für denHumboldt-Preis nominiert)

Über das aus Zensurgründen abgebrochene Spielfilmprojekt "Fräulein Schmetterling". (Marina Brafa; Master-Arbeit)

Umgang mit dem Thema Selbstzensur im Briefwechsel Christa Wolfs mit Efim Etkind, Raissa Kopelewa und Lew Kopelew. (Daria Kolesova)

Christa Wolf als Leserin des Ethnopsychoanalytikers Paul Parin.  (Sophie Meiners, BA-Arbeit an der FU Berlin)

"Christa Wolf as a Philosopher of Science. Reframing Wolf’s Representation of Science using Material Culture".  
Die Arbeit entstand im Rückgriff auf den von ihr während eines Praktikums detailliert verzeichneten "Woserin-Bestand" der Privatbibliothek sowie auf Materialien des Wolf-Archivs der AdK Berlin. (Amanda Stewart, Master Thetis an der University of Oxford)

Verzeichnis eines Teilbestands des Pankower Arbeitszimmers Christa Wolfs.
(Ronja Dierks, Praktikumsarbeit)

Die Bedeutung des Gartens in der Prosa Christa Wolfs. (Gesche Beyer,  Masterarbeit)

Spuren persönlicher und poetischer Beziehungen im literarischen Werk von Christa Wolf und Anna Seghers nach. (Sabine Swoboda, Masterarbeit)

Christa Wolfs Erzählungen „Juninachmittag“ und „Sommerstück“. (Melina Milz)

Im Entstehen sind derzeit studentische Arbeiten zu „Kindheitsmuster“ und zu „Nachdenken über Christa T.“ sowie eine Masterarbeit zu Gerhard Wolfs Arbeit am Kanon der Exilliteratur (insbesondere zu Luis Fürnberg) und eine Masterarbeit zu dem von Gerhard Wolf in seinem Essay „Beschreibung eines Zimmers“ (1971) poetologisch porträtierten Johannes Bobrowski.

Exponat „Poesie der Kritik“ für das Humboldt Labor
Nach dem Erfolg der wesentlich von Studentinnen erarbeiten Ausstellung „neu Christa Wolf lesen“ erarbeitete eine Gruppe Studierender unter der Leitung von Birgit Dahlke ein Exponat für die Eröffnungsausstellung „Humboldt Labor“ der HU im Berliner Humboldt Forum. Unter dem Titel „Poesie der Kritik“ nimmt sie, ausgehend von Christa Wolfs Roman „Störfall“ (1987) sowie deren Frankfurter Vorlesungen zu „Kassandra“ (1983), kritisch Stellung zu patriarchalen Zügen wissenschaftlicher Forschung und Überlieferung.
Die Eröffnungsausstellung wird voraussichtlich ab dem Frühjahr 2021 für drei Jahre zu sehen sein.

Informationen zum Humboldt Labor
Fundstücke aus der Privatbibliothek

Im „Sammlungsschaufenster“ der HU in der Bibliothek des ehemaligen Tieranatomischen Theaters ist seit Oktober 2019 für die Dauer von drei Jahren ein Objekt aus unserer Arbeitsstelle Privatbibliothek Christa und Gerhard Wolf zu sehen: ein Exemplar von Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ mit (kurz kommentierten) Lesespuren Christa Wolfs.

Im September 2018 wurde die Privatbibliothek offiziell in die zentralen Sammlungen der HU aufgenommen. Auf dem Sammlungsportal der HU werden einzelne Exponate der Privatbibliothek vorgestellt.

Das Sammlungsschaufenster der HU zum Tieranatomischen Theater
Privatbibliothek Christa und Gerhard Wolf an der HU Berlin