Inhalt & Form

INHALT der Ausstellung
„neu Christa Wolf lesen“

Die dynamische Form der als Wander-Ausstellung angelegten Banner-Ausstellung konzentriert sich bewusst darauf, die bekannte Autorin auf unerwarteten Wegen über ihre poetische Sprache, originäre Erzählweise und innovative Themensetzung vorzustellen, statt wie in vielen früheren Ausstellungen über ihre Biographie.

Es werden überraschende Perspektiven auf eine vielfältige Literatur aus mehr als 50 Jahren ermöglicht. Die grafische Anordnung auf den Bannern vermeidet Hierarchien und bietet sowohl für Eingeweihte als auch für Neulinge Zugänge zu einer komplexen Ästhetik.

Jedes Banner präsentiert einen thematischen oder einen werkbezogenen Schwerpunkt. Damit gibt es nicht nur Banner, die sich einzelnen Werken widmen, sondern auch intertextuell-übergreifende:  Was zeigt sich, wenn man jeweils einen Auszug aus Seite 90 eines Prosatexts zu einem Gesamttext zusammenstellt? Welche Vielfalt an „Stimmen“ ergibt der Blick auf die Briefschreiberin, die sich diversen Adressat_innen zuwendet? Wie veränderte sich Christa Wolfs Blick auf die Sowjetunion? Was ist so aufregend an einem ersten Satz? Warum braucht es mitunter 35 Anfänge, um einen Erzählgestus zu finden? Welche Lektüren finden in welchem Zusammenhang Erwähnung? Lassen sich Schlüsselworte in den über fünf Jahrzehnte reichenden Tagebucheinträgen zum 27. September entdecken? Unterscheiden sich westdeutsche und ostdeutsche Lesarten tatsächlich? Welche DEFA- Filme nach einem Drehbuch der Wolfs sind uns aufgrund der früh erfahrenen Zensur verloren gegangen? Wie liest sich der Buchtitel Kein Ort. Nirgends in 30 unterschiedlichen Sprachen und vor allem Schriften? Welche literarischen Formate fand die Autorin für sie lebenslang interessierende Gegenstände?

Die Banner zeigen nicht einfach Werkausschnitte, sie spielen mit der Spannung zwischen Schrift und nichthierarchischer grafischer Anordnung und generieren durch unerwartete Zuordnung originäre Textfelder.

Das Publikum wird Teil des Spiels: Wo jemand zu lesen und zu sehen beginnt, ist nicht vorgegeben. Einfache Orientierung wird gezielt unterlaufen und durch Ermutigung zu „wilder“ Lektüre abgelöst. Die Besucher_innen können von unten nach oben, von rechts nach links, diagonal oder quer lesen und wahrnehmen.

Unerwartete Montagen und Kontraste führen zu Re-Kontextualisierungen, werfen Fragen nach Poesie und Geschichte, nach dem individuellen ästhetischen Weg Christa Wolfs auf.

In einem kleinen, biographischen Beiheft zur Ausstellung, erarbeitet von Dr. Peter Böthig, finden Interessierte zusätzlich Informationen über das Leben der Autorin, in deutscher und englischer Sprache.

FORM

Ein Grundprinzip der Ausstellung ist ihre Mobilität. Die Inhalte werden auf insgesamt 14 mobilen Bannern (so genannten Roll-Ups) aus einem nahezu unzerreißbaren Material feiner Struktur, das Papier assoziiert, präsentiert.

Die differenziert gestaltbare Anordnung der Banner vermeidet Hierarchien bzw. und bietet unterschiedlichste Anschlussmöglichkeiten je nach thematischem Anliegen des Veranstalters.

Sowohl für Eingeweihte als auch für Neulinge – vor allem Jüngere – will sie so neue Zugänge zur Literatur und Ästhetik ermöglichen.

Die Banner sind jeweils 85 cm breit und 200 cm hoch. Sie können frei im Raum stehen und in wechselnder Reihung aufgestellt werden; ggf. auch in geringerer Anzahl. Näheres dazu finden Sie  >> HIER

Ein beispielhaftes Banner, jenes zu »Kassandra« können Sie auf der Seite des Ausstellungs-Grafikers Martin Hoffmann finden >>